Future Skills
Programme

Hochschulperle des Monats

 
Der Stifterverband verleiht jeden Monat eine Hochschulperle an innovative, beispielhafte Projekte, die an einer Hochschule realisiert werden. Im Jahr 2019 steht die Auszeichnung ganz im Zeichen von Future Skills – also Fähigkeiten, die in den nächsten Jahren für das Berufsleben und die gesellschaftliche Teilhabe deutlich wichtiger werden, und zwar über alle Branchen und Industriezweige hinweg. Der Preis ist undotiert. Aus den zwölf Hochschulperlen des Monats wird Anfang 2020 die Hochschulperle des Jahres in einem öffentlichen Voting gewählt.

 

Hochschulperle des Monats Juni 2019: #LecturesForFuture

Angehörige der Hochschule Rhein-Waal in Kleve haben zusammen mit den Scientists4Future die Aktion "#LecturesForFuture" angestoßen. Die Idee dahinter: Um auf den dringenden Handlungsbedarf beim Thema Klimawandel aufmerksam zu machen, sollen Lehrende aller Fachbereiche an Hochschulen und Universitäten zwischen dem 14. und 20. Juni 2019 mindestens eine ihrer regulären Lehrveranstaltungen dem menschgemachten Klimawandel widmen.

Die Studenten sind aufgerufen, Kommentare, Bilder oder Videos der Veranstaltungen in den sozialen Medien unter dem Motto "#LecturesForFuture" zu teilen. So soll eine möglichst große Resonanz erzielt werden. Zu genauen Inhalten und der Art der Umsetzung der "#LecturesForFuture" an den einzelnen Hochschulen gibt es keine Vorgaben. So kann etwa eine Mathematikerin gemeinsam mit den Studenten Klimamodelle behandeln oder ein Soziologe die gesellschaftlichen Auswirkungen des Temperaturanstiegs diskutieren.

Zahlreiche Hochschulen beteiligen sich an der Aktion, darunter viele aus Nordrhein-Westfalen, aber auch aus anderen Bundesländern. Universitäten aus Ghana, Frankreich und Tansania sind ebenso mit von der Partie. Partner der Aktion ist die Initiative "Scientists4Future" – Wissenschaftler und Prominente, die die Klimapolitik aus wissenschaftlicher Perspektive kommentieren und sich den Forderungen der Schülerproteste "#FridaysForFuture" angeschlossen haben.

Zwei der Initiatoren der Aktion "#LecturesForFuture" aus Kleve sind Fellows aus dem Programm Innovationen in der digitalen Hochschullehre des Ministeriums für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen und des Stifterverbandes.

"Der Klimawandel ist ein existenzielles Thema. Die interdisziplinäre Aktion '#LecturesForFuture' vermittelt jungen Menschen über Fächergrenzen hinweg Bildung zu Nachhaltigkeitsthemen, die zu den zentralen Future Skills gehört“, so die Jury des Stifterverbandes zur Entscheidung, die Hochschulperle Future Skills im Juni 2019 nach Kleve zu vergeben. "Der Aufruf an die Studenten, Inhalte und Botschaften der '#LecturesForFuture' über soziale Medien zu verbreiten, verstärkt den Erfolg des Projekts."

Die bisherigen Hochschulperlen 2019

Januar 2019: Ethics for Nerds

Foto: Sarah Sterz

Ethics für Nerds, so lautet der Titel der erfolgreichen Vorlesung, die Lehrende der Fachrichtungen für Informatik und Philosophie der Universität des Saarlandes für Studierende der Informatik und informatiknaher Studiengänge entwickelt haben. Das Ziel: den Blick der Studierenden für die gesellschaftliche Verantwortung der Informatik zu weiten.

Hintergrund für die 2015 initiierte Vorlesung war die Beobachtung, dass der Einfluss der Informatik auf unsere Gesellschaft und unseren Alltag im letzten Jahrzehnt enorm zugenommen hat. Dabei stellen sich zahlreiche moralische Fragen, zum Beispiel bei Entscheidungen durch künstliche Intelligenz im Krankenhaus oder auf der Autobahn, bis zur Problematik von Filterblasen in sozialen Netzen. Diese Aspekte spielen jedoch üblicherweise keine Rolle bei der Ausbildung von Informatikern.

Das Projekt "Ethics for Nerds" stößt in diese Lücke. Die Vorlesung vermittelt unter anderem Wissen aus dem Bereich der Moralphilosophie, der Technikfolgenabschätzung, der Maschinenethik und der Argumentationstheorie.

"Ein wichtiges Thema und ein knackiger Titel, der die Zielgruppe sehr gut anspricht", so die Jury des Stifterverbandes zur Entscheidung, die Hochschulperle Future Skills im Januar nach Saarbrücken zu vergeben. "Im Prozess der Technisierung und Digitalisierung kommt Informatikern eine rasant wachsende gesellschaftliche Verantwortung vor – es ist wichtig, dass sie sich dieser Aufgabe bewusst werden und lernen, damit umzugehen."

Details zum Projekt auf der Website der Universität des Saarlandes

Februar 2019: Bibliotheksroboter Wilma

Foto: Henning Wiechers/TH Wildau

Wilma ist ein humanoider Roboter, der Besucher durch die Bibliothek der Technischen Hochschule Wildau in Brandenburg führt. Entwickelt haben ihn die Teams des RoboticLab des Studiengangs Telematik und der Hochschulbibliothek.

Wilma bietet täglich standardisierte Bibliotheksführungen in Deutsch und Englisch an. In der Vorlesungszeit führt sie regelmäßig die Schulungen durch, die alle Hochschulangehörigen absolvieren müssen, um die Räume der Bibliothek auch außerhalb der regulären Öffnungszeiten nutzen zu können. Der Bibliotheksroboter erklärt den jährlich über 100.000 Besuchern die Bibliothek, zeigt die wichtigsten Orte und Geräte und unterstützt zukünftig auch bei der Orientierung in der Handbibliothek. Der 1,20 m große Roboter hilft außerdem beim Scannen und Drucken von Dokumenten. Das gelingt über direkte Interaktion – via Touchscreen oder per Sprachverarbeitung. Überdies kann Wilma Witze erzählen und "Schere, Stein, Papier" spielen.

Damit Wilma auch außerhalb der Öffnungszeiten autonom mit den Nutzern in Aktion treten kann, wenn kein Fachpersonal vor Ort ist, wird gerade intensiv an einem Sicherheitskonzept gearbeitet. 

"Der Bibliotheksroboter Wilma ist ein vorbildliches Beispiel dafür, wie Hochschulen digitale Technologien nutzen können, um ihre Angebote zu verbessern und langfristig Personalressourcen zu sparen", so die Jury des Stifterverbandes zur Entscheidung, die Hochschulperle Future Skills im Februar nach Wildau zu vergeben. "Durch Automatisierung und Digitalisierung erreichen die Serviceangebote der TH Wildau eine neue Qualitätsstufe. So geht Zukunft!"

Bibliothek der Technischen Hochschule Wildau: Humanoide Roboter im Einsatz
Einsatzszenarien von humanoiden Robotern
Projekte der Hochschulbibliothek Wildau

März 2019: Reden ist Gold

Foto: Stephan Wiegand/MF TUD

Wie verbessere ich die Kommunikation mit meinen Patienten? Um Ärzte im Gespräch mit ihren Patienten zu unterstützen, haben Mitarbeiter des Bereichs Psychosoziale Medizin der Medizinischen Fakultät Carl Gustav Carus der TU Dresden sowie des Forschungsverbundes Public Health Sachsen ein Online-Training für die Arzt-Patienten-Kommunikation entwickelt. Mit dabei waren Projektpartner unterschiedlicher Fachrichtungen aus Griechenland, Polen, Spanien und Zypern. Der Kurs und alle Materialien stehen in fünf europäischen Sprachen zur Verfügung und sind für Interessierte nach Registrierung frei verfügbar.

Eine gute Kommunikation zwischen Arzt und Patient hilft dabei, die Behandlung zu erleichtern. Medikamente werden besser eingenommen und wichtige Therapieschritte überzeugter mitgegangen. Getreu dem Motto "Reden ist Gold" vermittelt das Online-Trainingsprogramm der TU Dresden Grundlagen der Gesprächsführung und spezifische Kommunikationskompetenzen für schwierige Gesprächssituationen im Arzt-Patienten-Kontakt. Zielgruppen des Projekts sind neben praktizierenden Ärzten auch Pflegefachkräfte.

Für die praxisorientierte Entwicklung des europaweit einsetzbaren Online-Trainings erfassten die Projektpartner unter anderem bereits existierende Programme zur Arzt-Patienten-Kommunikation. Darüber hinaus fanden in allen beteiligten Ländern moderierte Gruppendiskussionen mit Ärzten, Patienten und weiteren Experten aus dem Gesundheitswesen statt, um Problemfelder in der Arzt-Patienten-Kommunikation festzustellen.

"Für eine gute Beziehung zwischen Arzt und Patient ist eine professionelle und zugewandte Kommunikation essenziell. Das Online-Kommunikationstraining der TU Dresden unterstützt erfahrene Ärzte, aber auch angehende Mediziner dabei, entsprechende Gesprächskompetenzen niedrigschwellig zu erwerben", so die Jury des Stifterverbandes zur Entscheidung, die Hochschulperle Future Skills im März nach Dresden zu vergeben. "Besonders beeindruckt hat uns darüber hinaus der interdisziplinäre und grenzüberschreitende Austausch, in dem das Projekt entwickelt wurde."

Health Communication Training for Health Professionals
Medizinische Fakultät Carl Gustav Carus der TU Dresden: Reden ist Gold

April 2019: Blue Engineering

Welche soziale und ökologische Verantwortung tragen Ingenieure? Um Studierende ingenieurwissenschaftlicher Studiengänge für das Thema Nachhaltigkeit zu sensibilisieren, haben Mitglieder der Technischen Universität Berlin das Seminar "Blue Engineering – Ingenieur_innen mit sozialer und ökologischer Verantwortung" entwickelt. Es soll angehende Ingenieure dazu befähigen soll, sich mit ihrer sozialen und ökologischen Verantwortung auseinanderzusetzen. In der Lehrveranstaltung haben sie die Möglichkeit, ihre Rolle in Bezug auf Technik und Gesellschaft mit anderen zu diskutieren. Auch Studierende der Geistes- und Sozialwissenschaften nehmen an dem Seminar teil, da ein vertieftes Technikverständnis nicht notwendig ist. Kern der interaktiven Lehrveranstaltung sind über 150 thematisch und didaktisch vielfältige, frei zugängliche Lehr- und Lerneinheiten, die nach Art eines Baukastens aufgebaut sind und sich leicht übertragen lassen. Inzwischen arbeiten bereits sechs Hochschulen mit dem modularen Seminar-Konzept, etwa die TU Hamburg-Harburg oder die TU Dresden.

Das Seminar behandelt Fragen aus dem Themenspektrum der Ingenieurethik an der Schnittstelle von Technik, Gesellschaft und Demokratie und setzt sie in einen Bezug zum Berufsalltag und Privatleben. So werden etwa Herausforderungen diskutiert, die im Spannungsfeld von Wirtschaftlichkeit, Umweltschutz und gesellschaftlicher Verantwortung entstehen. Neben der wöchentlichen Lehrveranstaltung gestalten die Teilnehmer des "Blue Engineering"-Seminars auch das Campusleben aktiv mit und organisieren Workshops, Ringvorlesungen, Ausstellungen, Abendveranstaltungen oder Exkursionen rund um das Thema Nachhaltigkeit und Demokratie.

"Das Seminar 'Blue Engineering' ermöglicht Studierenden neben dem Erwerb von Fachwissen einen Blick über den Tellerrand. Sensibilität für die eigene ökologische und soziale Verantwortung zu entwickeln, gehört zu den wichtigsten Kompetenzen der Zukunft", so die Jury des Stifterverbandes zur Entscheidung, die Hochschulperle Future Skills im April nach Berlin zu vergeben. "Besonders überzeugt hat uns der intensive Fokus auf die Studierenden und die Interdisziplinarität des Projekts, das technische und gesellschaftliche Fragen gekonnt miteinander verbindet."

Website zu Blue Engineering

Mai 2019: Blockchain-Kompetenznetzwerk

Foto: Fabian Randt

Studierende und Doktoranden aus unterschiedlichen Fachbereichen haben das Blockchain-Kompetenznetzwerk (BKN) gegründet, das Beratungsdienstleistungen rund um die Digitalisierung anbietet. Die studentische IT-Beratung unterstützt bei Fragen zu Künstlicher Intelligenz, Datenanalyse oder der Blockchain-Technologie. Zielgruppe sind Unternehmen, NGOs oder öffentliche Verwaltungen. Um für alle Kunden individuell angepasste digitale Lösungen und Umsetzungswege zu finden, werden jeweils für das Projekt passende interdisziplinäre Beratungsteams zusammengestellt. Die Teams beleuchten dabei nicht nur technische und wirtschaftliche Aspekte der neuen Schlüsseltechnologien, sondern auch sozial- und geisteswissenschaftliche Themen wie IT-Recht oder IT-Ethik.

Neben der Beratung von Firmen und Verwaltungen bietet das Blockchain-Kompetenznetzwerk auch öffentliche Veranstaltungen wie Vorträge und Workshops mit Unternehmen an. Wissen und Kompetenzen für die zukünftige Arbeitswelt und gesellschaftlichen Veränderungen zu vermitteln, ist dabei ein Kernanliegen des BKN. Zudem hilft die Unternehmensberatung bei der Vernetzung von regionalen und überregionalen Akteuren im Bereich Digitalisierung. Bereits jetzt lädt das BKN Studierende und Promovierende aller Fachbereiche hannoverscher Hochschulen zu wöchentlichen Treffen ein. So sollen alle Interessierte die Chance erhalten, erste wichtige Berufserfahrungen beim Zukunftsthema Digitalisierung zu sammeln. Dabei steht die Initiative allen offen, Neulingen genauso wie Fortgeschrittenen. Außerdem besteht ein Beirat aus herausragenden Wissenschaftlern, der um Persönlichkeiten aus Wirtschaft und Politik erweitert werden soll.

"Bisher gibt es in der Gesellschaft noch zu wenig Wissen über die Chancen, Risiken und Folgen der neuen digitalen Zukunftstechnologien. Die studentische Unternehmensberatung Blockchain-Kompetenznetzwerk greift ein sehr aktuelles Thema auf, gibt Kompetenz und Know-how weiter und bezieht dabei viele unterschiedliche Akteure mit ein", so die Jury des Stifterverbandes zur Entscheidung, die Hochschulperle Future Skills im Mai 2019 nach Hannover zu vergeben. "Das Projekt fördert den Wissenstransfer und bietet den Studenten gleichzeitig die Chance, in Eigenregie Praxiserfahrung zu sammeln und unternehmerische Verantwortung zu übernehmen."

Website zum Blockchain-Kompetenznetzwerk

Kontakt

Vorschläge und Bewerbungen für eine Hochschulperle des Monats zum Thema "Future Skills" sind willkommen. Nehmen Sie mit uns Kontakt auf:

Daniela Mägdefessel

ist Programmmanagerin im Bereich "Programm und Förderung".

T 0201 8401-134
F 0201 8401-215

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